Jagdverhalten beim Hund – So bringst du den Jagdtrieb unter Kontrolle

Während der vorige Artikel den Jagdtrieb als Grundantrieb erklärt, geht es hier tiefer in die eigentliche Jagdsequenz: die einzelnen Phasen, die ein Hund je nach Veranlagung mehr oder weniger vollständig durchläuft. Dieses Wissen hilft dabei zu verstehen, warum manche Hunde eher stöbern und andere sofort hetzen.

Kurleiter: Sophie & das Plakos Team

30. August 2026
Die vier Phasen des Jagdverhaltens

Die Jagdsequenz gliedert sich in vier Hauptphasen mit typischen Beispielrassen: das Aufspüren beziehungsweise Tracking, stark ausgeprägt bei Retrievern und Cockerspaniels, das Fixieren beziehungsweise Anschleichen, wie es Pointer, Setter und Border Collies zeigen, das Hetzen beziehungsweise Stellen, typisch für Beagle, Windhunde und Schutz- oder Hütehunde, sowie als letzte Phase das Töten, das vor allem bei Windhunden, Terriern und Malinois genetisch verstärkt wurde. Eine besonders spannende Zahl aus der Verhaltensforschung: Wilde Wölfe sind nur bei etwa 10 Prozent ihrer Jagdversuche tatsächlich erfolgreich. Das erklärt auch, warum bereits das Ausführen der Jagdsequenz selbst – unabhängig vom „Erfolg“ – für den Hund neurochemisch belohnend wirkt, ein Effekt, der als selbstbelohnendes Verhalten bekannt ist.

Inhhaltsverzeichnis

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Wie lange ist eine Hündin tragend?

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Sophie ist spezialisiert auf die visuelle und didaktische Aufbereitung von Fachwissen rund um Tierhaltung und Hundeerziehung. Als Mediengestalterin und Online-Marketing-Managerin übersetzt sie komplexe Trainingsmethoden in klare, alltagstaugliche Lerninhalte.

Seit 2023 ist sie festes Mitglied des Plakos-Teams, wo sie nicht nur Blogartikel verfasst, sondern auch die Kursinhalte für die Lernplattform entwickelt. Neben ihrer praktischen Erfahrung in der Hundehaltung bringt sie einen Sachkundenachweis im Bereich der Pferdehaltung mit.

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Nur jede zehnte Jagd eines Wolfs ist erfolgreich – trotzdem jagen Hunde und Wölfe immer wieder. Warum das so ist, erklärt dieses Video anhand der vier Phasen der Jagdsequenz: Aufspüren, Fixieren, Hetzen und Töten. Du lernst, wie sich einzelne Phasen bei unterschiedlichen Rassen unterschiedlich stark zeigen und warum schon das Verfolgen allein für den Hund belohnend ist.

Das Jagdverhalten beim Hund: Wichtige Grundlagen

Hunde gehören, genau wie ihre Vorfahren, die Wölfe, zu den Beutegreifern. Das Jagen, Fangen und Töten von Beutetieren sichert sowohl dem einzelnen Wolf als auch dem ganzen Rudel das Überleben.

Durch die Domestikation hat der Mensch über Jahrtausende hinweg das Jagdgeschick der Wölfe genutzt und durch gezielte Zucht bestimmte Teile dieses Verhaltens verstärkt. So entstanden verschiedene Hunderassen für unterschiedliche Aufgaben.

Allerdings ist dieses Jagdverhalten nicht bei allen Hunden erwünscht. Daher ist es für Hundetrainer oft eine Herausforderung, einem Hund das Jagen abzugewöhnen. Deshalb sind Kenntnisse über das Jagdverhalten von Hunden sehr wichtig.

Warum jagen Hunde

Man müsste ja denken, dass die Hunde durch die Fütterung ihren Jagdinstinkt verlieren würden. Schließlich sind sie jetzt satt, oder? Um zu verstehen, warum das nicht so ist, müssen wir uns erstmal angucken, warum Hunde überhaupt jagen.

Das Jagdverhalten von Hunden ist ein natürlicher Teil ihrer angeborenen Verhaltensweisen. Grundsätzlich hat jeder Hund genetisch verankerte Elemente des Jagdverhaltens, die je nach Rasse, Herkunft und individuellen Erfahrungen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Man spricht oft von “starkem” oder “schwachem Jagdtrieb”.

Bei der Zucht vieler Hunderassen wurden bestimmte Teile des Jagdverhaltens gezielt verstärkt oder abgeschwächt, um spezifische Fähigkeiten zu fördern. So entstanden Jagdhunde, die verschiedene Aufgaben wie Aufspüren, Anzeigen, Hetzen oder Apportieren von Wild erfüllen. Auch das Hüten, Treiben und Bewachen von Viehherden sowie die Arbeit in der Schutzhundausbildung basieren auf bestimmten Aspekten des Jagdverhaltens. Deshalb zeigen nicht nur Jagdhunde, sondern viele Rassen und Mischlinge eine “Lust zum Jagen”.

Da angeborenes Verhalten nicht vollständig abtrainiert werden kann, ist es wichtig, die Motivation hinter den einzelnen Verhaltensweisen zu verstehen und sie in gewünschtes Verhalten umzulenken. Für wildlebende Beutegreifer ist das erfolgreiche Jagen und Fangen von Beutetieren überlebenswichtig. Daher ist die Motivation für diese Verhaltensweisen so stark, dass selbst häufige Misserfolge sie nicht mindern. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ausgewachsene Wölfe nur etwa 10% ihrer Jagdversuche erfolgreich abschließen.

In der Verhaltensbiologie spricht man von “selbstbelohnendem Verhalten” – nicht nur das Erreichen des Endziels, also das Fressen eines Beutetiers, sondern bereits das Ausführen einzelner Jagdsequenzen, löst beim Wolf oder Hund ein positives Gefühl durch die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe im Gehirn aus.

Die Jagdsequenz in ihre vier Phasen aufzuschlüsseln ist genau die Art von Detailwissen, das in der Hundetrainer-Prüfung den Unterschied macht. Mit dem Plakos Testtrainer verinnerlichst du solche Zusammenhänge über strukturierte Lerneinheiten statt über einzelne Artikel. Über 50.000 zufriedene Kunden lernen bereits mit Plakos – teste die kostenfreie Demo.

Sequenzen des Jagdverhaltens

Die Handlungskette bei der Jagd des Hundes lässt sich nämlich in solche unterschiedliche Sequenzen unterteilen. Die folgenden Beispiele zeigen Hunderassen, bei denen diese Sequenzen durch Zucht besonders hervorgehoben, andere dafür eher unterdrückt wurden:

Aufspüren:

Als erstes betrachten wir das Aufspüren und Orten durch Hunde.
Der Vierbeiner stößt entweder zufällig auf eine interessante Spur oder sucht gezielt danach, je nach seinen bisherigen Erfahrungen. Er folgt der Spur und findet schließlich das gesuchte Objekt.
Hunderassen, die dafür besonders ausgeprägt sind, wären z.B. Retriever, Stöberhunde wie Deutscher Wachtel oder Cockerspaniel.

Fixieren und Anschleichen:

Das fixieren und anschleichen ist ebenfalls eine wichtige Sequenz. Ist das Objekt aufgespürt, wird es zunächst fixiert, um sich dann vorsichtig anzuschleichen.
Vorstehhunde wie Pointer , Setter oder Deutsch Drahthaar, aber auch Hütehunde wie Border Collie oder Harzer Fuchs, sind besonders dafür bekannt. 
Nach dem fixieren und anschleichen folgt nun das Hetzen und Stellen.

Hetzen und Stellen:

Bewegliche Beute wird durch plötzliches Anrennen aufgebracht und gehetzt, bis sie gestellt werden kann.
Hunderassen die darauf besonders anspringen sind Laufhunde wie Beagle und Bracken, Windhunde, aber auch Hüte- und Treibhunde sowie Schutzhunde. 
Die wohl größte Gefahr für das Opfer besteht aber bei der nächsten Sequenz. Dem Packen, Schütteln, Töten und Fressen.

Töten:

Schließlich wird die Beute gepackt und, je nach Größe, geschüttelt, was bei kleinen Beutetieren oft zum Tode führt. Eine bestimmte Form der Tötung gibt es bei Hunden nicht, größere Beutetiere sterben entweder am Schock oder Blutverlust durch das Zerreißen.
Besonders anfällig sind Hunderassen wie Windhunde, einige Terrier und Schutzhunde wie Malinois.
Natürlich lassen sich die Sequenzen nicht eindeutig ein- bzw. ausschließen. Es ist als Hundetrainer aber wichtig, die einzelnen Sequenzen zu kennen und zu intervenieren. 

Das Jagdverhalten beim Hund

Das Beuteschema des Hundes

Ob und was ein Hund jagen will, ist nicht grundsätzlich angeboren, sondern wird vor allem durch Lernerfahrungen bestimmt. Junge Welpen jagen beispielsweise fliegenden Blättern hinterher, die keinerlei Ernährungswert für sie haben. Alleine die plötzliche schnelle Bewegung animiert sie dazu, dem Objekt hinterherzulaufen und es zu fangen.

Hat ein Hund eine hohe innere Bereitschaft, sich schnell bewegende Objekte zu hetzen, versucht er möglicherweise auch, Fahrräder, Autos oder rennende Kinder zu verfolgen und zu packen. Da beim Ausführen der Jagdsequenzen normalerweise keine Anzeichen von Aggression gezeigt werden, muss klar zwischen unerwünschtem Jagdverhalten und zielgerichteter Aggression unterschieden werden.

Allerdings können mit zunehmender Erfahrung des Hundes diese Grenzen verschmelzen, woraus sich schließlich ernsthafte Verhaltensprobleme mit hohem Gefährdungspotential für andere Tiere oder Menschen entwickeln können. Hier gilt es, rechtzeitig einzugreifen und die Handlungsabläufe des Hundes ganz gezielt in eine ungefährliche Richtung zu lenken.

Zahlreiche Verhaltensweisen aus dem Beutefang-Komplex zeigen Hunde auch im Spiel. Welpen üben sich in Renn- und Fangspielen, wobei die Rollen häufig wechseln. Auch viele erwachsene Hunde spielen miteinander, indem sie sich anschleichen, gegenseitig fixieren und hintereinander herlaufen. Je weniger sich die Hunde kennen, desto eher können solche ausgelassenen Spielsituationen allerdings auch kippen und in aggressive Verhaltensweisen umschlagen.


Unerwünschtes Jagdverhalten des Hundes vermeiden

Wir kennen jetzt also die Sequenzen und das Beuteschema zum Jagdverhalten beim Hund. Schauen wir uns als Nächstes ein paar Strategien an, um unerwünschtes Jagdverhalten beim Hund zu vermeiden.

Da es sich beim Jagen um angeborene Verhaltensweisen handelt, die allein durch ihre Ausübung dem Hund ein positives Gefühl vermitteln, lassen sie sich umso schwieriger beeinflussen, je mehr positive Erfahrungen der Hund bereits damit machen konnte. Es gilt also, möglichst den Anfängen einzugreifen.

Bereits während der Welpenphase lässt sich erkennen, ob ein Hund größeres Interesse daran hat, Objekten hinterherzulaufen. Auch ist bei vielen Hunderassen eine gesteigerte Neigung zum Jagen bekannt. Bestenfalls wird bereits in der wichtigen Prägephase und während der ersten Grunderziehung das Jagdverhalten beim Hund in eine kontrollierbare und gewünschte Richtung gelenkt.

So kann beispielsweise eine vorhandene Motivation zur Fährtenarbeit genutzt werden, um den Hund mit Suchspielen und künstlich gelegten Fährten zu beschäftigen und auszulasten. Apportierfreudige Hunde lernen schnell, einen Dummy oder die Zeitung zu bringen. Und hochaktive Hütehunde können sich in verschiedenen Hundesportarten wie Agility oder Obedience austoben.

Ganz wichtig für jagdinteressierte Vierbeiner ist eine solide Grundausbildung, damit der Hund alle Grundkommandos sicher beherrscht und auch befolgt. Eine nicht gewünschte Ausübung des Jagdtriebes sollte immer unmittelbar durch ein entsprechendes Grundkommando wie Stopp oder Platz abgebrochen und unterbunden werden. Die positive Verstärkung bereits vorhandener Verhaltensweisen durch entsprechend hochwertige Belohnungen führt bei konsequentem Training dazu, dass sich das „Endziel“ verändern und durch den Menschen vorgeben lässt.Hier noch ein Hinweis auf unseren Online Hundetrainer Kurs. 

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