Unerwünschtes Aggressionsverhalten bei Hunden stellt einen der häufigsten Gründe dar, warum Hundehalter die Hilfe eines Hundetrainers in Anspruch nehmen.
Die Gründe für das aggressive Verhalten und wie stark es auftritt, können von Hund zu Hund sehr unterschiedlich sein. Oftmals sind Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Hund und Mensch die Ursache für das Problem.
Was ist Aggression?
Aggressionsverhalten bei Hunden ist kein Zeichen einer Verhaltensstörung, sondern gehört zu ihrem normalen Verhalten und hat verschiedene Funktionen. Es schützt das eigene Leben und sichert wichtige Ressourcen. Dabei wird zwischen innerartlicher Aggression, also von Hund zu Hund und zwischenartlicher Aggression, etwa zwischen Hund und Katze) unterschieden.
Hunde leben in Rudeln und brauchen aggressive Verhaltensweisen, um ihren Platz in der Gruppe zu finden und sich sicher zu fühlen. Angriff und Verteidigung bestimmen die Rangordnung und damit die Rechte und Pflichten jedes Mitglieds. Seit Jahrhunderten leben Hunde mit Menschen zusammen, die mittlerweile als Sozialpartner gelten. Deshalb spricht man hier oft von innerartlicher Aggression, wenn Hunde Menschen gegenüber aggressiv sind.
Normalerweise folgt das Aggressionsverhalten bei Hunden bestimmten Regeln, um Eskalationen zu vermeiden, da diese für alle Beteiligten gefährlich sind. Ritualisierte Verhaltensweisen und Drohgebärden sollen einen bevorstehenden Angriff ankündigen. Damit es nicht eskaliert, muss der andere diese Ankündigungen verstehen. Fehlinterpretationen, mangelndes Wissen oder falsches Verhalten des Menschen führen oft zu aggressiven Handlungen von Hunden, die dann als Problemverhalten oder Verhaltensstörung angesehen werden.
Sogenannte pathologische Aggression, also ein unnatürlich ablaufendes Angriffsverhalten, kommt bei Hunden äußerst selten vor und geht meist mit organischen Erkrankungen des Zentralen Nervensystems einher. Eine Sonderform stellt die züchterische Selektion auf eine genetisch bedingte Hypertrophie des Aggressionsverhaltens dar, wie sie bei einigen Zuchtlinien bestimmter Hunderassen nachgewiesen werden konnte.
Welche Gründe für Aggressionsverhalten bei Hunden gibt es?
Angst
An erster Stelle steht oft die Angst. Wenn ein Hund sein Leben oder eine wichtige Ressource wie ein Spielzeug oder einen Kauknochen bedroht sieht, kann das Angst auslösen und zu aggressivem Verteidigungsverhalten führen. Solche Situationen entstehen oft, wenn sich der Hund bedrängt fühlt, jemand seine kritische Distanz unterschreitet oder der Fluchtweg versperrt ist. Dieses Abwehrverhalten nennt man defensive Aggression und es gehört zu den häufigsten Problemen zwischen Hunden und Menschen. Es ist wichtig seinem Vierbeiner Sicherheit zu geben die Begleithundeprüfung bietet eine gute Möglichkeit das Zusammenspiel von Vierbeiner und Mensch zu erlenern.
Schmerz oder Schreck
Gefolgt von der Angst ist ein weitere Grund der Schmerz oder Schreck den ein Hund empfindet.
Akute Schmerzen durch einen Unfalls oder bei Krankheiten können ebenso zu aggressiven Reaktionen bei Hunden führen wie ein plötzliches Erschrecken oder ein Schockzustand.
Selbst normalerweise ruhige und freundliche Hunde können dann plötzlich schnappen oder zubeißen. In solchen Fällen fehlen oft die üblichen Vorwarnungen, da es sich hier eher um eine spontane Reaktion handelt.
Territoriale Verteidigung
Auch die Verteidigung des eigenen Territoriums ist ein Grund für aggressives Verhalten.
Wenn ein Fremder – sei es Mensch oder Tier – in das Revier eines Hundes eindringt oder sich nähert, reagieren die meisten Hunde mit aggressivem Verhalten. Die Intensität dieser Aggression hängt stark von verschiedenen Faktoren ab, wie der Veranlagung des Hundes, seiner Erziehung, seinen Erfahrungen, seinem Bewegungsdrang und natürlich davon, wie nah der Eindringling dem Zentrum des Territoriums kommt. In unserem Beitrag Verhaltensbiologie für Hundetrainer erlernst du die Körpersprache des Hundes noch einmal deutlicher zu verstehen.
Hormonstatus
Ein weiterer Grund kann der Hormonstatus sein.
Während bei Rüden die Nähe einer läufigen Hündin die Produktion männlicher Sexualhormone anregt und sie aggressiver gegenüber anderen Rüden macht, führt bei Hündinnen die Trächtigkeit und Geburt ihrer Welpen zu einer vorübergehenden Steigerung der Aggressionsbereitschaft zum Schutz ihres Nachwuchses.
Hormonell bedingte Aggressivität bei Rüden lässt sich jedoch häufig durch Medikamente oder eine Kastration beeinflussen.
Rangordnung
Auch die Rangordnung spielt eine Rolle beim Aggressionsverhalten bei Hunden.
Im Sozialgefüge eines Hunderudels, aber auch im Zusammenleben zwischen Hunden und Menschen existiert diese Rangordnung. Dabei dominiert ein Individuum der Gruppe ein anderes, indem es dessen Rechte und Freiheiten einschränkt. Diese Ordnung ist wichtig, damit sich jeder innerhalb der Gruppe sicher fühlen und bewegen kann
Fehlt diese Sicherheit oder wird die Rangordnung in Frage gestellt, kann ein Hund dominant-aggressives Verhalten gegenüber anderen Mitgliedern des Rudels oder der Familie zeigen.
Frustration
Wie bei uns Menschen kann auch bei Hunden Frustration ein Grund für Aggressionen sein.
Kann ein Hund eine „normale“ Verhaltensweise nicht adäquat ausführen, weil er beispielsweise in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird, kann sich daraus ein frustrationsbedingtes Aggressionsverhalten entwickeln. Ein mögliches Beispiel stellt die sogenannte „Leinenaggression“ dar, bei der Hunde an der Leine aggressiv gegenüber Artgenossen oder auch anderen Objekten reagieren, während sie ohne Leine der Situation eher ausweichen würden.
Anerzogene Aggressivität
Auch die Erziehung kann ein wichtiger Faktor sein.
Wird ein Hund gewollt zu aggressivem Verhalten erzogen, beispielsweise in der Schutzhund- oder Jagdhundausbildung, kann es passieren, dass er bei mangelnder Führungskompetenz seines Menschen auch dann aggressiv reagiert, wenn dies gerade nicht erwünscht ist.
Formen des Aggressionsverhalten bei Hunden
Hunde kommunizieren mit Artgenossen über verschiedene Körpersignale wie Mimik, Gestik, taktile Reize oder auch Laute und Gerüche. Im Zusammenleben mit dem Menschen ist es unerlässlich, diese Körpersprache zu verstehen und richtig zu deuten, um Missverständnisse und daraus resultierende Probleme zu vermeiden.
Aggressives Verhalten bei Hunden läuft meist ritualisiert ab und wird durch verschiedene Warnzeichen angekündigt. Man unterscheidet hierbei zwischen offensiver und defensiver Aggression.
Während offensive Aggression auf Angriff ausgerichtet ist und mit Wut einher kommt, dient defensive Aggression eher dem Schutz des eigenen Körpers und wird meist durch ausgelöst.

Offensive Aggression
Ein offensiv drohender Hund zeigt einen steifen Gang mit maximal gestreckten Gliedmaßen bei leicht nach vorne geneigtem Kopf.
Das Fell an Hals und Nacken wird gesträubt, die Rute ist erhoben und kann schnell und abgehackt hin und her bewegt werden. Die Ohren werden je nach rassebedingter Form nach vorne gerichtet und über dem Kopf zusammengezogen, während der Blick starr auf den Gegner gerichtet ist und die Zähne durch Anheben der Lefzen im vorderen Maulbereich gezeigt werden.
Grollendes Knurren begleitet akustisch die offensive Drohgebärde und kann unmittelbar vor einem Angriff in Drohbellen übergehen. Häufig führt dies im letzten Moment zum Rückzug des bedrohten Gegners.
Vor allem zur Festlegung einer Rangordnung werden häufig auch taktile Reize wie Rempeln, Schubsen, Kopf auf den Rücken des Gegners legen oder Aufreiten in der Kommunikation eingesetzt.
Defensive Aggression
In der Defensive zeigt ein Hund eine geduckte Körperhaltung mit gesenktem Kopf, eng anliegenden und nach hinten gerichteten Ohren und unter den Bauch gezogener Rute. Das Fell wird über die gesamte Rückenlinie gesträubt und die Zähne durch weit nach hinten gezogene Mundwinkel gezeigt.
Akustisch geht anfängliches Knurren häufig über in ängstliches Winseln bis hin zu Schreien, wenn der Hund sich stark bedrängt fühlt und keine Flucht möglich erscheint.
Fazit
Das Aggressionsverhalten bei Hunden ist ein häufiges Problem, das viele Hundehalter zu Hundetrainern führt. Aggression ist ein normales Verhalten, das verschiedene Funktionen erfüllt, wie den Schutz von Ressourcen und die Sicherung von Rangordnungen in sozialen Gruppen. Es gibt unterschiedliche Arten von Aggression, die meist aus Missverständnissen in der Kommunikation zwischen Hund und Mensch resultieren.
Die Hauptursachen für aggressives Verhalten sind Angst, Schmerz, territoriale Verteidigung, Hormonstatus, Rangordnung, Frustration und unzureichende Erziehung. Hunde kommunizieren durch Körpersprache, und das Verständnis dieser Signale ist entscheidend, um aggressive Situationen zu vermeiden. Aggression kann in offensives und defensives Verhalten unterteilt werden, wobei beide Formen ritualisierte Verhaltensweisen aufweisen, die oft durch Warnzeichen angekündigt werden. Ein Missverständnis in der Interpretation dieser Signale kann zu unerwünschtem aggressivem Verhalten führen.