Hunde müssen genau wie ihre Vorfahren, die Wölfe, sowohl in ihrem Sozialgefüge (Rudel oder Familie) als auch bei Begegnungen mit fremden Artgenossen oder Menschen immer wieder Konflikte austragen. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass der größte Teil solcher Auseinandersetzungen nicht aggressiv durch Kampf, sondern ritualisiert mit Hilfe bestimmter Ausdrucksmittel ausgetragen wird. Beschwichtigungssignale beim Hund oder „Calming Signals“ spielen dabei eine entscheidende Rolle in der Kommunikation.
Wozu dienen Beschwichtigungssignale beim Hund?
Zahlreiche Gesten im Ausdrucksverhalten von Hunden dienen dazu, dem anderen zu signalisieren: „Ich bin nicht an einem Kampf interessiert, ich möchte unseren Konflikt entschärfen.“ Unterwerfung und Demut gegenüber einem ranghöheren Vierbeiner sind also eine Bitte um Frieden und soziale Integration. Jeder normal sozialisierte Hund ist in der Lage, solche Beschwichtigungssignale zu verstehen und darauf entsprechend zu reagieren.
In der Kommunikation zwischen Hund und Mensch scheitert es oft am Verständnis, sodass dem Hund in bedrohlich empfundenen Situationen häufig nur der Ausweg bleibt, in ein defensives Aggressionsverhalten mit Knurren, Zähne fletschen, Schnappen oder gar Beißen überzugehen.
Aktive und passive Demut
Die Verhaltensbiologie unterscheidet bei Hunden zwischen passiver Unterwerfung, die als Reaktion auf eine aggressive Verhaltensweise eines dominanten Artgenossen (oder Menschen) gezeigt wird, und aktiver Demut, die vor allem innerhalb bestehender Sozialverbände (Rudel, Familie) auftritt und auch als „soziales Begrüßen“ gewertet wird. Letztere wird häufig gegenüber menschlichen Sozialpartnern gezeigt, etwa wenn diese nach Abwesenheit zum Hund zurückkehren.
Während ein passiv unterwürfiger Hund sowohl den Blick- als auch den Körperkontakt zum Gegner vermeidet, wird bei der aktiven Unterwerfung der Ranghöhere direkt angesehen und fast aufdringlich bedrängt. Nicht selten geht dieses Verhalten in eine Spielaufforderung über. Beide Verhaltensmuster entspringen dem infantilen Gebaren junger Welpen, die innerhalb ihres Sozialverbandes einen gewissen Welpen-Schutz genießen.
Unterschiedliche Beschwichtigungssignale beim Hund (Calming Signals)
Es gibt zahlreiche Beschwichtigungssignale beim Hund, die in angespannten Situationen vermehrt gezeigt werden und daher als Beschwichtigungsgesten gewertet werden. Wissenschaftlich belegt sind als Calming Signals allerdings erst wenige, nämlich das Pföteln, das Sich-Klein-Machen und das Lecken der eigenen Nase. Viele andere Signale müssen im Zusammenhang betrachtet werden, da sie nicht nur Demut, sondern auch eine generelle Unsicherheit des Hundes oder einen aktuellen inneren Konflikt anzeigen.
Welpen-Gesicht: Nach hinten angelegte Ohren, eine straffe Gesichtsmuskulatur und die lang nach hinten gezogenen Mundwinkel lassen den Hund welpenhaft erscheinen.
Geduckte Körperhaltung, Sich-Klein-Machen: Die Gliedmaßen werden eingeknickt, der Schwanz nach unten gehalten, der Hund macht sich klein.
Lecken oder „Züngeln“: Bei abgewandtem Blick oder seitwärts gedrehtem Kopf leckt der Hund sich über die eigene Nase oder deutet ein Lecken der Schnauze des anderen Hundes an.
Pfote heben, Pföteln: Der stehende oder sitzende Hund hebt eine Vorderpfote an und bewegt sie in Richtung des anderen Hundes oder Menschen.
Kopf abwenden: Vor allem bei passiver Unterwerfung wird der Kopf vom Gegner weggedreht oder nach unten gesenkt.
Körper seitwärts drehen: Als Steigerung des Kopf-Abwendens kann der gesamte Körper vom Gegner abgewendet und seitlich oder sogar rückwärts gestellt werden.
Blinzeln: Kommt der andere Hund oder Mensch zu nahe, blinzelt der Unterlegene oder schließt die Augen vollständig.
Erstarrte Körperstellung: Der demütige Hund stellt, setzt oder legt sich nahezu bewegungslos hin.
Verlangsamte Bewegungen: Die zeitlupenartige Bewegung weg von der Bedrohung ist eine abgeschwächte Form des Erstarrens.
Gähnen: Als sogenannte „Übersprungshandlung“ zeigen viele Hunde in Konfliktsituationen ein deutlich übertriebenes Gähnen. Dieses Verhalten wird nicht nur als Beschwichtigungsgeste gezeigt, sondern auch in anderen unsicheren Situationen.
Am Boden schnüffeln: Der unterlegene Hund schnüffelt scheinbar sehr interessiert mit gesenktem Kopf an einer Stelle. Diese Geste zählt zu den Beschwichtigungssignalen beim Hund.
Urin absetzen: Vor allem Rüden können in einer angespannten Situation Urin absetzen und damit dem Gegner ermöglichen, sich mit der Marke zu beschäftigen statt mit dem unterlegenen Hund. Dies ist ein weiteres Beispiel für Beschwichtigungssignale beim Hund.
Im Bogen laufen: Ein frontales Aufeinander-Zulaufen wird von Hunden als Bedrohung empfunden. Bei Begegnungen zwischen Hunden laufen diese meist im Bogen umeinander herum, bevor sie sich beschnuppern. Auch gegenüber Menschen zeigen viele Hunde dieses Verhalten, etwa wenn der Mensch den Hund zu sich ruft. Solche Verhaltensweisen sind wichtige Beschwichtigungssignale beim Hund.
Vorderkörper-Tiefstellung: Ähnlich wie bei der klassischen Spielaufforderung senkt der Hund den Vorderkörper durch Einknicken im Ellbogengelenk zum Boden, während der Hinterkörper nach oben gestreckt wird. In Konfliktsituationen wird dabei der Schwanz meist eher nach unten gehalten.
Auf den Rücken drehen: Diese maximale Unterwerfung zeigen unterlegene Hunde vor allem im Zuge der passiven Demut dem Angreifer gegenüber. Der Hund legt sich auf den Rücken, zieht den Schwanz dabei an den Bauch und hält die Gliedmaßen an den Körper gezogen. Der Kopf wird mit zurückgelegten Ohren und langen Mundwinkeln seitlich angewinkelt. Es kann zum spontanen Urin-Absatz kommen. Akustisch wird diese Unterwerfungsgeste häufig durch Winseln oder sogar lautes Schreien intensiviert.
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