Nicht nur Welpen und junge Hunde spielen gerne; auch viele erwachsene Hunde interagieren spielerisch mit Artgenossen oder Menschen. Spielverhalten beim Hund erfüllt einen wichtigen Zweck in der Entwicklung und Perfektionierung arteigener Verhaltensweisen.
Funktion des Spielens
In der Verhaltensbiologie bezeichnet „Spielverhalten“ solche Verhaltensweisen, die keinen unmittelbaren Ernstbezug haben und um ihrer selbst willen ausgeübt werden. Spiele sind immer freiwillig und wirken selbstbelohnend. Hunde können mit sich selbst (Solitärspiel), mit Gegenständen (Objektspiel) oder mit anderen (Sozialspiel) spielen. Besonders bei Welpen ist das Spiel entscheidend für die Entwicklung, da Bewegungsabläufe geübt, die Umwelt erkundet und soziale Fähigkeiten erlernt werden. Beispielsweise müssen Welpen die Beißhemmung im Spiel erlernen, indem sie Erfahrungen mit ihren Spielpartnern sammeln.
Spielverhalten beim Hund zwischen erwachsenen Hunden kann auch strategische Elemente zur Lösung sozialer Konflikte innerhalb einer Gruppe sein, wodurch aggressive Auseinandersetzungen vermieden und das Sozialgefüge stabilisiert wird. Eine Grundvoraussetzung für Spiel ist das Wohlbefinden des Hundes. Hunger, Durst, Angst, Stress, Schmerzen, Erschöpfung oder Krankheit können die Spielbereitschaft beeinträchtigen. Regelmäßiges Spielen fördert die soziale Bindung zwischen Hund und Halter.
Spielverhalten erkennen
Das Verhaltens-Repertoire des Hundes umfasst verschiedene Funktionskreise, darunter Aggressionsverhalten, Fortpflanzung, Ausdruck, Jagd und Nahrungsaufnahme. Beim Spielverhalten beim Hund kommen Elemente aus all diesen Kreisen zum Einsatz, die frei miteinander kombiniert und ohne Ernstbezug ausgeführt werden. Kennzeichnend sind überbetonte Verhaltenselemente wie hopsender Galopp, lautes, nicht aggressives Bellen und spielerisches Beißen. Bei Renn- und Kampfspielen wechseln die Rollen der Spielpartner und es entstehen kreative Variationen.
Eine klassische Spielaufforderung ist die Vorderkörper-Tiefstellung, bei der die Vorderbeine abgewinkelt und der Brustkorb den Boden berührt, während der Hinterkörper mit wedelnder Rute nach oben gestreckt wird. Diese Position signalisiert: „Ich spiele noch mit Dir!“
Spielen mit Artgenossen
Um eine gute Sozialkompetenz zu fördern, ist es wichtig, jungen Hunden den Kontakt mit Artgenossen zu ermöglichen. Da die wenigsten Hundebesitzer mehr als einen Welpen halten und nicht jeder Fremdhund als Spielpartner geeignet ist, sind spezielle Welpen-Spielkurse in Hundeschulen empfehlenswert. Solche Kurse erfordern Fachkompetenz des Trainers, um negative Erfahrungen durch Mobbing oder Überforderung zu vermeiden. Das Spiel sollte gewissen Regeln unterliegen, die vom Menschen festgelegt werden.
Ein Welpen-Kurs besteht idealerweise aus Übungssequenzen, in denen die Aufmerksamkeit auf die Menschen gerichtet ist, gefolgt von Freispielzeiten, in denen die Welpen miteinander toben können. Ruheübungen, die vor und nach den Freispiel-Aktionen geübt werden, fördern die Bindung zwischen Hund und Halter und die Fähigkeit des Hundes, sich selbst entspannt ablegen zu können.
Ein wiederholtes Spieltreffen ohne Trainingssequenzen kann dazu führen, dass der Kontakt zu Artgenossen wichtiger wird als die Bindung zum Menschen. Auch ältere Hunde spielen gerne mit anderen, solange diese eine gute soziale Kompetenz besitzen. Je besser die soziale Interaktion im Welpenalter geübt wird, desto leichter fällt es dem erwachsenen Hund, anderen Hunden entspannt zu begegnen. Hundebesitzer sollten in der Lage sein, das Ausdrucksverhalten ihrer Tiere richtig zu deuten und einzugreifen, wenn das Spielverhalten beim Hund in Aggression umschlägt.
Spielen mit dem Sozialpartner Mensch
Das gemeinsame Spielen zwischen Mensch und Hund ist besonders in der Welpen- und Junghundphase wichtig, da es die Hund-Mensch-Bindung fördert. Nach dem Verlust des ersten sozialen Umfelds benötigt der Welpe ein neues Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.
Im Spiel kann auch eine Rangordnung zwischen Mensch und Hund gebildet und gefestigt werden. Der Mensch muss die Regeln festlegen und konsequent einfordern. Im Spiel sollte nichts erlaubt sein, was sonst verboten ist, da der Hund dies nicht unterscheiden kann. Verletzungsgefahren und beängstigende Situationen müssen ausgeschlossen werden.
Wann und wie lange ein Spiel stattfindet, sollte der Mensch bestimmen, besonders bei selbstbewussten Hunden. Der Hund muss lernen, Spielgegenstände zurückzugeben, das Spiel auf Kommando zu beenden oder mit einem sofortigen Abbruch zu rechnen, wenn er zu grob spielt. Bei Kampf- und Zerrspielen sollte der Mensch am Ende gewinnen, um das Selbstbewusstsein des Hundes nicht zu untergraben.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit dem Hund zu spielen und dabei gleichzeitig seine Fähigkeiten zu fördern. Suchspiele sind spannend und können überall eingebaut werden. Wurf- und Apportierspiele bieten Bewegungsfreude und fördern die Aufmerksamkeit. Geschicklichkeitsspiele wie Balancieren oder Hindernisse überwinden stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die Beziehung zum Halter. Spielverhalten beim Hund kann somit in vielen Formen und Varianten ausgelebt werden, um sowohl die sozialen Fähigkeiten zu fördern als auch die Bindung zum Halter zu vertiefen.
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